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29.12.2025 – Magazin – Technik
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Wasserstoff als Energieträger: Chancen & Grenzen

Mit seinen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten gilt Wasserstoff als große Hoffnung für das Gelingen der Energiewende. Wasserstoff kann aber nur dann einen wichtigen Beitrag leisten, wenn er dort eingesetzt wird, wo andere Technologien an ihre Grenzen stoßen – etwa bei Hochtemperaturprozessen, im Schwerlastverkehr oder zur saisonalen Energiespeicherung. In anderen Bereichen ist er ineffizient und nicht die erste Wahl. In vielen Bereichen ist er unersetzlich, darum ist es besonders wichtig an Produktions- und Infrastrukturaufgaben zu arbeiten. Auch die eww Gruppe unterstützt die Forschung zu Wasserstoff der FH Wels mit ihrem Know-how und Platzressourcen.

Wasserstoff als Energieträger

 

Was bedeutet „Wasserstoff als Energieträger“ konkret?

Wasserstoff ist ein chemisches Element, das sich hervorragend zur Energiespeicherung eignet. Er kann durch Elektrolyse aus Wasser erzeugt und in verschiedenen Formen gespeichert werden. Daneben existieren auch andere Herstellungsverfahren wie die Dampfreformierung aus Erdgas oder Pyrolyse, die jedoch in der Klimabilanz kritisch zu betrachten sind. Die Wahl der Produktionsmethode beeinflusst die Nachhaltigkeit des Energieträgers maßgeblich.

Als Energieträger ist Wasserstoff vor allem dann interessant, wenn Elektrizität überschüssig vorhanden ist und zwischengespeichert werden soll. Die Wasserstoffproduktion durch Elektrolyse, seine Umwandlung in Strom oder Wärme sowie sein Einsatz in Industrie und Mobilität machen ihn zu einem vielseitigen, wenn auch nicht in jedem Fall effizienten Energieträger.

 

Wo ist die Nutzung von Wasserstoff sinnvoll – und wo nicht?

Limitierend bei der Anwendung von Wasserstoff als Energieträger ist seine deutlich geringere Effizienz zu der direkten Elektrifizierung. Während bei batterieelektrischen Anwendungen rund 70–80 % der eingesetzten Energie tatsächlich genutzt werden können, sind es bei Wasserstoff – durch Umwandlungsverluste bei Elektrolyse, Speicherung und Rückverstromung – oft nur 25–35 %. Dennoch bleibt Wasserstoff dort sinnvoll, wo Strom nicht direkt nutzbar ist. Außerdem ist die Nutzung von Wasserstoff technisch in vielen Bereichen machbar, doch nur dort sinnvoll, wo andere Technologien nicht effizienter sind.
 

Sinnvolle Anwendungen:

  • Hochtemperaturprozesse in der Industrie, z. B. Stahl- und Glasherstellung, wo direkte Elektrifizierung nicht oder nur schwer praktikabel ist
  • Langfristige Energiespeicherung, insbesondere saisonale Speicherlösungen in Kombination mit Wind- und Solarenergie
  • Schwerlastverkehr, insbesondere auf langen Strecken, bei Zügen in abgelegenen Regionen oder schweren Bau- und Arbeitsmaschinen.

Ein aktuelles Beispiel: In Schweden wird Wasserstoff bereits erfolgreich zur Dekarbonisierung der Stahlproduktion eingesetzt. Während die VOEST in Linz auf elektrische Lichtbogenöfen setzt.

Weniger sinnvoll:

  • Gebäudeheizung mit Wasserstoff ist ineffizient gegenüber der Verwendung von Wärmepumpen oder Fernwärme.
  • PKW mit Brennstoffzellen schneiden schlechter ab als batterieelektrische Fahrzeuge sowohl in Bezug auf Energieverbrauch als auch im Infrastrukturbedarf.

Fazit: Wasserstoffanwendungen in der Industrie und als Element der Sektorkopplung sind oft alternativlos. In anderen Fällen gibt es effizientere Lösungen.

 

Sinnvolle Anwendungsbereiche im Detail

  • Industrie: Wasserstoff wird als Prozessgas oder zur Hochtemperaturerzeugung genutzt, z. B. in der Stahl-, Chemie- und Glasindustrie.
  • Mobilität: In der Wasserstoffmobilität bietet er Vorteile bei Nutzfahrzeugen, Zügen und perspektivisch auch in der Luftfahrt, z. B. für Langstreckenflüge mit synthetischen Kraftstoffen.
  • Stromspeicherung: Überschüssiger Strom wird in Wasserstoff umgewandelt (Power-to-Gas) und kann ins Netz zurückgespeist oder in Gasspeichern gelagert werden.


Diese Anwendungen sind eng verknüpft mit Themen wie Wasserstofftransport und -logistik sowie der Integration in bestehende Infrastrukturen.

Infrastruktur und Sicherheit: Was muss noch aufgebaut werden?

Die Wasserstoffinfrastruktur steht vielerorts noch am Anfang. Benötigt werden:

  • Leitungsnetze
  • Speichermedien
  • Einspeisesysteme
  • Sicherheits- und Normungsstandards


Aktuell investieren sowohl die EU als auch Österreich in Förderprogramme für den Aufbau von Wasserstoffclustern und Pipelines, wie z. B. das Projekt "H2 Backbone WAG + Penta-West". Zudem werden Sicherheitsfragen durch neue DIN- und EN-Normen zunehmend standardisiert. Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeiten intensiv an Lösungen zur Wasserstoff-Sicherheit und Normung, um den Aufbau effizient und sicher zu gestalten. Auch die Wasserstoffnetz Versorgung ist ein zentrales Thema der Politik.

Forschungsstandort Wels: Praxisbeispiel mit eww Gruppe

Auch in Wels wird mit einem neuenWasserstofflabor der FH Oberösterreich auf die Weiterentwicklung der Wasserstofftechnologie gesetzt. In der ehemaligen Maschinenbauhalle der eww Anlagentechnik wurde auf 600 m² eine europaweit einzigartige Forschungsinfrastruktur errichtet. Die eww Anlagentechnik übernahm dabei die komplette auf Wasserstoffforschung zugeschnittene Haus und Labortechnik:

  • Explosionsgeschützte Lüftungssysteme
  • Individuelle Gasversorgung mit orbital geschweißter Technik
  • Anschlüsse für Wasserstoff-Trailer
  • Große Rückkühler zur individuellen Temperatursteuerung


Im Fokus der Forschung stehen dort die sichere Speicherung unter Druck, neue Verbindungstechnologien für mobile Anwendungen und die Entwicklung standardisierter Module für Industrieanlagen. Ziel ist es, Fragen zu Wasserstoffspeicherung, Transport und Anwendung praxisnah zu erforschen und industrielle Umsetzungen zu ermöglichen.

 

Wasserstoff gezielt dort nutzen, wo er gebraucht wird

Wasserstoff als Energieträger ist eine wichtige Ergänzung im Energiemix der Zukunft. Richtig eingesetzt, ist er ein Schlüsselelement für die Dekarbonisierung. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird Wasserstoff vor allem dort entscheidend an Bedeutung gewinnen, wo hohe Energiemengen flexibel und speicherbar benötigt werden. Die Weiterentwicklung von Elektrolyseuren, Sicherheitsstandards und Speicherlösungen wird dabei ebenso wichtig sein wie regionale Forschungsprojekte. Weitere Infos zur Dekarbonisierung der Industrie

Die eww Gruppe zeigt am Standort Wels, wie Forschung und Technik Hand in Hand gehen können, um nachhaltige Energielösungen voranzubringen.

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