09.07.2026 – Technik
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102 Tonnen Energiewende für voestalpine

Am Areal der voestalpine in Linz entsteht ein neuer Kraftwerksblock für die Energieversorgung des Werks. Entscheidend dafür ist ein riesiger Transformator, den eww Anlagentechnik entwickelt hat — ein wichtiger Baustein von greentec steel, dem größten Klimaschutzprojekt Österreichs.

Transformator Block für voestalpine

Fotos © Fotostudio Eder
 

Nein, es ist kein Tag wie jeder andere für die eww Projektleiter Josef Schedlberger, Daniel Hinterleitner und Dominik Gasperlmair. Im Schritttempo schiebt sich ein Spezialtransport über das Gelände der voestalpine in Linz. Auf dem Tieflader liegt ein gut verpackter Koloss, umhüllt mit dem Slogan „Energiewende vom Profi“ – ein maßgeschneiderter Blocktransformator aus Oberitalien. Ein Schwertransporter hat ihn über die Autostrada A23 durchs Kanaltal, weiter auf der A2 Südautobahn und der A1 Westautobahn hierhergebracht – mit 78 Tonnen Transportgewicht, knapp unter dem zulässigen Limit für den Grenzübergang Arnoldstein.

Erst nach der Montage der Anbauteile und der Befüllung mit mehr als 20 Tonnen Öl wird der Riese sein endgültiges Gewicht erreichen. Dann wird er zum Herzstück des neuen Kraftwerksblocks 08 – und damit zu einem Schlüsselbaustein von greentec steel.

Für das Projektleiter-Trio ist dieser Moment der sichtbare Höhepunkt eines fast dreijährigen Projekts: intensive Planung, unzählige Abstimmungen und mehrere Reisen nach Arzignano bei Vicenza, um den Bau des Trafos Schritt für Schritt zu begleiten. „Während des Projekts bin ich Vater geworden“, sagt Josef Schedlberger. „Und ehrlich: Dieser Trafo ist für mich fast so etwas wie mein zweites Baby.“ Nur eben eines mit 102 Tonnen.

Prinzip Spannungs-Übersetzer

Was macht ein Transformator? Vereinfacht erklärt ist er so etwas wie ein „Spannungs-Übersetzer“. Im Kleinen begegnet er uns täglich – etwa im Handy-Ladegerät, in der Türklingel oder in modernen LED-Leuchten, die mit deutlich geringerer Spannung betrieben werden. Niedrigere Spannung ist sicherer und ermöglicht kleinere, effizientere Geräte. Deshalb wird die 230-Volt-Netzspannung mit einem kleinen Trafo bzw. Netzteil heruntergesetzt.

Im großen Maßstab braucht es Industrie-Transformatoren wie diesen. Und genau hier wird es für voestalpine relevant: Sie betreibt in Linz ein eigenes Kraftwerk. Dieses Kraftwerk nutzt Hüttengase aus der Stahlproduktion, also gasförmige Nebenprodukte der Stahlherstellung, die vor allem in Kokerei und Hochofen entstehen. Daraus werden Strom, Dampf und Fernwärme erzeugt.

Ein Großteil des Eigenstrombedarfs des Hüttenwerks wird so gedeckt, zudem produziert das Kraftwerk Fernwärme für Industrie und Stadt. Die erzeugte Energiemenge entspricht etwa einem Drittel des jährlichen Fernwärmebedarfs in Wels.

Zusätzlich entstehen große Mengen Industriedampf, mit denen umgerechnet rund 20.000 Einfamilienhäuser ein ganzes Jahr lang beheizt werden könnten. Gewaltige Dimensionen also.

Wichtiger Schritt für das Klima

Mit dem neuen Block 08 wird dieses System erweitert und modernisiert: Er ersetzt 2026 die Blöcke 04 und 05, erhöht die Betriebssicherheit und bringt die Klimastrategie von greentec steel einen entscheidenden Schritt voran.

Dafür brauchte es allerdings einen besonderen Transformator. Nun ist dieser von den eww Technikern geplante Trafo nicht nur groß und schwer, sondern besonders klug gebaut. Direkt am Kraftwerk ist die elektrische Energie besonders „kraftvoll“ – vergleichbar mit der geballten Wasserkraft direkt hinter einem Staudamm. Tritt dort ein Fehler auf, können extrem hohe Ströme entstehen, welche Schaltanlagen überfordern würden.

Deshalb enthält der neue Blocktransformator eingebaute Schutzelemente: eine Kurzschlussdrossel, die bei einem Fehler überschüssige Energie abbremst, sowie eine Boosterwicklung, die die Ströme im Normalbetrieb auf ein handhabbares Niveau bringt.

Technisch betrachtet handelt es sich um einen sogenannten Dreiwickler-Trafo: Er besitzt drei getrennte Wicklungen, die gleichzeitig den Generator, den Eigenbedarf des Kraftwerks und das 30-kV-Netz der voestalpine miteinander verbinden.

Diese maßgeschneiderte Konstruktion erklärt unter anderem, warum Planung und Abstimmung länger dauerten – und warum das eww Team mehrmals nach Italien reiste, um Zwischenschritte abzunehmen und Messungen zu begleiten. „Das ist kein Trafo, den man einfach wie ein Katalogprodukt bestellt“, betonen Josef Schedlberger und Daniel Hinterleitner.

Peter Leitner
Peter Leitner
Geschäftsführer eww Anlagentechnik

„Mit unserer Technik ermöglichen wir grüne Transformation.“

Kunstwerk Trafobau

In Norditalien nahm der Trafo Gestalt an. Mehr als 20 Tonnen Kupfer wurden per Hand mit großer Präzision zu Drahtspulen (auch „Wicklungen“) geformt. Zwischen den Kupferwicklungen liegen Schichten aus Zellstoff und Holz, die sie stützen und voneinander trennen. Alles wird mit hochreinem Transformatorenöl durchtränkt. Das Öl kühlt den Trafo im Betrieb und verhindert als elektrischer Isolator Überschläge. „Wenn man das vor Ort sieht, wirkt es wie ein Kunstwerk“, sagt Josef Schedlberger. Daniel Hinterleitner ergänzt: „Da steckt viel Erfahrung und Handarbeit drin.“

Einen Trafo dieser Größe hatte die eww Gruppe zuvor noch nicht geplant und angeschlossen. Der neue Block 08 ist leistungsmäßig etwa dreimal so groß wie das Kraftwerk Traunleiten – eine andere Dimension, die entsprechend hohe Verantwortung verlangte. Weil eww Anlagentechnik im Projektverlauf rasch tragfähige Lösungen lieferte, wuchs das Vertrauen der voestalpine – und damit auch der Auftrag.

Nach und nach kamen weitere Aufgaben hinzu. Nach der Ankunft des Trafos Anfang Februar begann ein Team von sieben eww Elektrotechnikern unter Bauleiter Joachim Klug mit der Montage. Innerhalb eines Monats wurden Anbauteile montiert, Anschlüsse hergestellt und Systeme geprüft.

Anschließend wird Block 08 schrittweise hochgefahren und in den Regelbetrieb integriert. Am Ende entsteht aus vielen Bausteinen ein funktionierendes Ganzes: ein neuer Kraftwerksblock, der Versorgungssicherheit erhöht, Emissionen senkt und den Industriestandort Linz stärkt – mit einem Transformator im Zentrum, der Ingenieurskunst und Handarbeit verbindet.

Alles aus einer Hand

So eindrucksvoll dieser Trafo ist — er war nur ein Teil des Gesamtauftrags. eww Anlagentechnik verantwortete die gesamte elektrische Infrastruktur des neuen Kraftwerksblocks – von der Generatorausleitung bis zu den Niederspannungsverteilungen. Schaltanlagen, Kabel, Schutz- und Leittechnik, Notstromsysteme und Eigenbedarfstransformatoren wurden geplant, gebaut, montiert und in Betrieb genommen. Kurz gesagt: ein komplettes Elektropaket aus einer Hand.

Für Peter Leitner, Geschäftsführer der eww Anlagentechnik, ist das Projekt ein Musterbeispiel dafür, wie Industrie zukunftsfähig wird: „Das greentec-steel-Projekt der voestalpine macht deutlich, wie der grüne Wandel ganz konkret funktioniert.

Wir sehen uns dabei nicht nur als Lieferant, sondern als Partner auf Augenhöhe. Mit unserem technischen Know-how, unserer Energiekompetenz und viel Entwicklungsarbeit tragen wir dazu bei, dass Industrie sauberer wird. Solche Projekte zeigen: Moderne Technik und wirtschaftlicher Erfolg gehören zusammen.“


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greentec steel – der Weg zu grünem Stahl

voestalpines größtes Klimaschutzprogramm macht die Stahlproduktion sauberer – mit Strom statt Kohle und neuen Elektrolichtbogenöfen.

  • Technik: Ab 2027 entstehen in Linz und Donawitz zwei Elektrolichtbogenöfen, die Stahlschrott mit viel Grünstrom einschmelzen.
  • Klima: Durch die neuen Anlagen sollen bis 2029 30 % CO₂ eingespart werden, das entspricht 5 % der Emissionen Österreichs.
  • Zukunft: Langfristiges Ziel ist die CO₂-neutrale Stahlproduktion bis 2050 – Schritt für Schritt, mit klarer Technologie-Roadmap.
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