Ketten-Reaktion: Blockchain krempelt die Wirtschaft um

News-Beitrag | 21. Juni 2018 | ITandTEL

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Sie könnte vielen Branchen gewaltig nutzen, andere dagegen in Existenznot bringen: die Blockchain. Unternehmen können mit der Technologie Prozesse verschlanken und Bürokratie abbauen. Doch in die Euphorie mischen sich erste kritische Stimmen.

Geld überweisen, Energie verkaufen, Warenwege nachverfolgen: Die Blockchain könnte ganze Wirtschaftszweige nachhaltig umkrempeln. Lange führte die Technologie ein Schattendasein, höchstens bekannt als sichere Austauschbasis für die erste Kryptowährung Bitcoin. Das System kommt ohne zentrale Kontrollinstanz aus. Denn es ist so aufgebaut, dass niemand diese dezentrale Datenbank manipulieren kann. Wie an einer Kette wird eine Transaktion zwischen Geschäftspartnern an die vorhergehende gereiht. Eine Kopie dieser verschlüsselten Datensätze landet auf den Computern aller, die an das Netzwerk angeschlossen sind; sie verifizieren jeden Eintrag gegenseitig. Damit ist ausgeschlossen, dass jemand im Nachhinein Datensätze verändert oder löscht.

Viel Zeit und Geld sparen
Die Blockchain ist also fälschungssicher, transparent, für alle Beteiligten nachverfolgbar und braucht keine zentrale Überwachung. Diese Markenzeichen bieten die große Chance für ein Internet der nächsten Generation, das neben Daten jetzt auch Werte sekundenschnell weltweit transferieren kann.

Tschüss, WhatsApp!
Dadurch werden Geschäftsmodelle möglich, an die bisher niemand gedacht hat. Die Blockchain könnte zum Beispiel das Datenmonopol von Facebook aushebeln. Tschüss, WhatsApp: Derzeit arbeiten Entwickler an einer dezentralen Chat-App, die alle Nachrichten – und auch deren Herkunft – verschlüsselt. Girokonten auf Blockchain-Basis machen Auslandsgeschäfte billig, weil hohe Bankgebühren wegfallen. 

Verträge werden smart
Wenn es nach dem Startup Slock.it geht, kann man jeden physischen Gegenstand via Blockchain tauschen, sofern er sich per Bluetooth oder Wlan ansteuern lässt. Das könnte zum Beispiel das Türschloss einer Wohnung sein, die an Touristen vermietet wird. Der Clou: Mithilfe sogenannter Smart Contracts (automatische Vertragsprotokolle) können Wohnungen autonom vermietet und sicher bezahlt werden. 

Die Blockchain verspricht höhere Effizienz bei geringerem Bürokratieaufwand. Vor allem Handel und Logistik würden profitieren: Über die Blockchain könnten Dienstleister den gesamten Verlauf einer Waren-Transportkette für alle sichtbar dokumentieren und damit Abläufe beschleunigen.

Zwischenhändler und Vermittler ausschalten
Des einen Freud, des andern Leid: Für Branchen, die hauptsächlich von Vermittlungstätigkeiten leben, könnte es eng werden – sie würden nicht mehr gebraucht, weil beteiligte Unternehmen direkt kommunizieren und Kontrollen wegfallen. Die Lufthansa will zum Beispiel ein dezentrales Marktplatzsystem schaffen. Es soll Blockchain-basierte Reisebuchungen ermöglichen und die Ineffizienz minimieren, die durch die große Anzahl von Zwischenhändlern entsteht.

Finanzen, Versicherungen, Energiemarkt, Logistik, Tourismus – rüttelt die Blockchain an der Infrastruktur der gesamten Wirtschaft? Viele Unternehmen stehen der Technologie noch skeptisch gegenüber, etwa weil eine zentrale Regulierung fehlt und es mit dem Datenschutz schwer vereinbar ist, dass man alle Interaktionen zwischen Partnern nachverfolgen kann.

Teamsport für Unternehmen noch ungewohnt
Außerdem muss man beim Systemaufbau von Anfang an beteiligte Partnerunternehmen einbeziehen. „Blockchain ist ein Teamsport, das ist man in einem Business-Umfeld nicht unbedingt gewöhnt“, so ein Insider. Automatisierte Abwicklungen mit hohem Grad an Transparenz – das ist nicht etwas, in das sich Unternehmen einfach so hineinstürzen. Dennoch: IBM zum Beispiel schwört auf das Potenzial der Blockchain und arbeitet laut eigenen Aussagen mit Kunden weltweit bereits an über 400 Projekten.

Tangle als Nachfolger der Blockchain?
Während viele Projekte noch in der Testphase stecken, werden schon kritische Stimmen laut. Schon heute entpuppen sich Anwendungen als zu langsam, außerdem zieht die Blockchain horrend viel Energie. Deshalb diskutieren Experten bereits die nächste Technologie, die sozusagen ohne Block und Kette funktioniert, aber trotzdem die Blockchain-Vorteile nutzt: Tangle ist ein Software-Protokoll, bei dem jeder, der eine Transaktion tätigt, zwei andere Transaktionen bestätigen muss. 
Tangle ist beliebig skalierbar und verbraucht viel weniger Energie – deshalb wird die Technologie schon als Wegbegleiter für vernetzte Fabriken oder Smart Homes gehandelt. Doch auch die Blockchain wird viele nutzbringende Anwendungen finden.

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