Im „Wilden Westen“ der Daten: Hier kommt Ihr Guide!

News-Beitrag | 28. März 2019 | ITandTEL

Big Data zu nutzen, ist für Unternehmen sehr verlockend. Kann aber auch gefährlich sein. Ein IT-Experte sagt Ihnen, worauf Sie im „Wilden Westen der Daten“ achten müssen.

 

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Prof. DI Dr. Paul Tavolato

Wie arbeitet gefinkelte Malware? Wo stößt IT-Security an ihre Grenzen? Spezialist Prof. DI Dr. Paul Tavolato lehrt nicht nur an der FH St. Pölten: Auf der SpirIT, der gefragten Impulsveranstaltung von eww ITandTEL, lieferte er im Herbst 2018 auch interessante Hintergründe zum Thema Big Data. 

Was Sie schon immer über Big Data wissen wollten (und unbedingt beachten sollten!):
Hier sind die Antworten des Experten Paul Tavolato für Sie!

Herr Tavolato, wo lässt sich Big Data in der Wirtschaft sinnvoll einsetzen?

Paul Tavolato: Es gibt unzählige Möglichkeiten, die zum Teil auch schon umgesetzt werden. Zum Beispiel autonomes Fahren, die Risikobewertung potenzieller Kunden bei Banken und Versicherungen, das Erstellen von Personenprofilen im Marketingbereich, personalisierte Medizin ... Und noch vieles mehr.

Das klingt vielversprechend. Wo ist der Haken?

Die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit Big Data sind: explainable, responsible und safe & secure. Es geht also vor allem darum, dass die verarbeiteten Daten zuverlässig sind und der Umgang mit ihnen verantwortungsvoll erfolgt. Davon sind wir noch weit entfernt.

Die von Computern erhobenen Daten sind also nicht unbedingt zuverlässig?

Nehmen wir das Beispiel Machine Learning: Computer sammeln Daten und interpretieren sie. So können zum Beispiel in einem Betrieb Produktionsfehler frühzeitig erkannt werden. Die Frage ist aber, ob Computer Daten immer richtig interpretieren.

Wir haben nachgewiesen, dass man Algorithmen leicht täuschen kann, etwa bei der Bilderkennung. Der Mensch kann das Ergebnis nicht mehr überprüfen, dafür ist die Menge an Daten und die Rechenleistung der Computer viel zu groß.  

„Mit Big-Data-Projekten kann man auch
schnell viel Geld in den Sand setzen“

Wie können Unternehmen beim Einsatz von Big Data das Risiko falscher Rechenergebnisse begrenzen?

Ob die Interpretation von Daten gut ist, hängt davon ab, wie gut die Datenquellen und die verwendeten Algorithmen sind. Daher sollte man bei der Beschaffung von Daten sorgfältig vorgehen: Woher kommen die Daten? Wie wurden sie erhoben?

Unternehmen sollten auch nachvollziehen können, dass die von Computern errechneten Ergebnisse plausibel sind. Das ist auch eine Frage des Know-hows: Je besser ich mich auskenne, umso besser kann ich das einschätzen. Sonst kann man da schnell viel Geld in den Sand setzen

Wie sollten Unternehmen vorgehen, um ein Big-Data-Projekt erfolgreich umzusetzen?

Sie sollten von Beginn an sehr sorgfältig planen: Was erwarte ich, was will ich wissen? Je genauer man das weiß, umso gezielter kann man die entsprechenden Daten beschaffen und die Algorithmen auswählen. 

Sie mahnen auch verantwortungsvollen Umgang mit Daten und Sicherheit ein. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage im Zusammenhang mit Big Data ein?

Derzeit haben wir beim Thema Daten eine Wild-West-Situation, so wie beim Autofahren in den 1920-er Jahren. Da wurden dann nach und nach Regulierungen eingeführt, Ampeln zum Beispiel. Derzeit ist die große Diskussion, ob man das Internet regulieren soll oder nicht. Befürworter und Gegner stehen sich da unversöhnlich gegenüber.

Auf jeden Fall dürfen Daten nicht in falsche Hände geraten– Stichwort Cyberkriminalität. Und auch die ethischen Fragen sind nicht zu unterschätzen. Zum Beispiel: Soll die Polizei Zugriff auf private Überwachungskameras bekommen? Wollen wir das?

„Wir müssen die Zukunft,
die wir wollen, selbst erfinden“

Es gibt also noch viele ungelöste Fragen. Wie bekommen wir das in den Griff?

Wichtig ist einmal eine Bewusstseinsbildung für diese Themen. Veranstaltungen wie die SpirIT von eww ITandTEL liefern dazu einen wertvollen Beitrag, weil sie dem Publikum interessante Hintergrund-Infos vermitteln und zum Nachdenken anregen. 

Vielen ist ja zum Beispiel gar nicht klar, welche Daten sie laufend von sich preisgeben. 
Ein gutes Zitat dazu von Joseph Beuys: "Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen."

Big Data ist auch in Ihrem Unternehmen ein Thema? Die Experten von eww ITandTEL unterstützen Sie gerne dabei! Mehr Infos: info@itandtel.at